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Jahr / 2004
Ein Blog ist ein Blog ist ein…
„In meinem Blog kann ich schreiben, was ich will. Mein Blog ist meine Privatangelegenheit.“
Wer auch dieser Meinung ist, sollte vielleicht lieber zur Kladde zurückkehren, die abgeschlossen und sicher in der Schublade verwahrt wird. Und damit auf Nummer sicher gehen.
Viele von uns – ich eingeschlossen – verhalten sich oft, als sei ihr Netz-Tagebuch eine Art Poesiealbum mit Vorhängeschloss. Als könnte nicht die ganze Welt mitlesen. Als sei es nicht ein- und dasselbe, ob die geäußerten Gedanken in einem Zeitungsartikel, auf einem monatlichen Flugblatt oder auf einem Bildschirm an die Öffentlichkeit gelangen.
Moment – ist es auch juristisch dasselbe? Die Ländergesetze, in denen das Presserecht geregelt wird, nennen zwei Begriffe, um ihre Zuständigkeit einzugrenzen: Druckwerke und Periodikum.
Der Berliner Rechtsanwalt Johannes Weberling schreibt dazu:
So hat das Oberlandesgericht Köln am 19. Januar 2001 entschieden, daß eine Internet-Publikation dann eine Internet-(Tages-)zeitung darstellt, wenn die in ihr regelmäßig veröffentlichten Beiträge vor der Veröffentlichung durch eine Redaktion, der eine Entscheidungsbefugnis über Auswahl und Gestaltung des zu publizierenden Stoffes zusteht, ( täglich) bearbeitet werden…
Hm. Ob sich eine Internet-Autorin, die allein in der Abgeschiedenheit eines Zimmers vor sich hin bloggt, nun unbedingt als „Redaktion“ bezeichnen würde, sei mal dahingestellt. Deren Funktion aber hat sie allemal. Denn sie entscheidet über Auswahl und Gestaltung des zu publizierenden Stoffes. Und sie bearbeitet die Beiträge – nicht unbedingt täglich, aber regelmäßig, also periodisch. Damit sind wesentliche Voraussetzungen erfüllt, die das Presserecht nennt.
Aber halt, es gibt noch Hoffnung! Weberling schreibt weiter:
Dagegen bestehen keine presserechtlichen Ansprüche gegen eine Homepage im Internet, in der nicht periodisch, also regelmäßig neue Informationen veröffentlicht werden…
Wer seine Website also nicht regelmäßig aktualisiert, braucht sich um presserechtliche Bestimmungen keine Gedanken zu machen. Selten- oder Nie-Blogger sind also fein raus. So viel ist sicher.
Und nun? Sollen wir etwa vor jedem Bloggen ein Gesetzbuch zu Rate ziehen? Das, in der Tat, könnte unsere Spontaneität doch empfindlich stören. Aber mal ehrlich: Brauchen wir wirklich den Blick auf die Paragraphen, um zu wissen, was wir öffentlich äußern dürfen und was nicht? Sind wir nicht in der Lage, einschätzen zu können, welche Formulierungen zum Beispiel juristisch heikel sind, etwa, weil sie den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen?
Schließlich: Ist es eigentlich zu viel verlangt, beim Bloggen darauf zu achten, ob wir Menschen verletzen – zum Beispiel mit Pauschal- oder Vorurteilen über Minderheiten? Ein Mindestmaß an Sorgfalt und Verantwortung sollte doch auch uns kreativen, spontanen, individualistischen Bloggern abzuverlangen sein – egal, ob für uns nun das Presserecht gilt oder nicht.
Zum Weiterlesen:
Blogger-Ethik
Sind Blogger Journalisten?
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Sieben Wochen ohne
Auf der Suche nach einem passenden Fastenobjekt, auf das zu verzichten mir ein gaaanz kleines bisschen schwer fällt, aber dann auch nicht so furchtbar schwer, dass ich womöglich knatschig werde, kam ich auf eine prima Idee…
Machts also gut, bis Ostern! :)
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Nein danke. Heute nicht.
Nichts ist falsch lautet der Titel der aktuellen Titelstory im FR-Magazin, und gemeint ist die Welt von Stanley. Stanley ist acht und Autist, und in der Geschichte, die seine Mutter Rosie Barnes erzählt, gibt es eine Stelle, die mir ganz besonders gefallen hat. Sie sagt:
Ich bin immer viel zu sehr damit beschäftigt, was andere Menschen gerade denken und fühlen. Manchmal denke ich, das ist sehr dumm, wie wir uns von anderen beeinflussen lassen. Das habe ich von Stanley gelernt: Der sagte eine Zeitlang immer den Satz: „Nein danke, nicht heute. Nein danke, nicht heute.“ Manchmal sage ich das jetzt auch zu mir selbst: „Nein danke, nicht heute.“
Der FR-Artikel ist online nicht zu finden, aber der Guardian hat die Geschichte von Stanley bereits im November 2002 erzählt. Einen – im Netz leider nur winzigen – Blick auf die Fotos, die Rosie Barnes unter dem Titel „Understanding Stanley“ gemacht hat, bietet das Fotomagazin Eight in seiner März- Ausgabe.
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Nachricht von Mom
Siebenstein sagt, sie sei wieder da gewesen.
Siebenstein gehört zu den Menschen, die sich mit Tieren unterhalten können und die Anwesenheit von Verstorbenen wahrnehmen.
Ich selbst hab dazu so gar kein Talent. Ich rede zwar mit meinen Tieren, aber die antworten mir nicht. Jedenfalls nicht so, wie ich es gerne hätte. Bei mir sind das eher kurze Unterredungen: Meine Augen sagen: „Sooooofoooort runter da!“ Und sie geben mir zu verstehen: „Pah.“ Wenn Siebenstein sich dagegen mit Misses Large und Misses Little unterhält, muss man regelmäßig eine Rednerliste führen.
Siebenstein jedenfalls ist sicher, sie sei wieder da gewesen. Meine Mutter habe am Bettrand gesessen, während ich schlief, „Mein Kind, es ist alles gut“ zu mir gesagt und mich auf die Stirn geküsst.
Ich glaube das. Auch, wenn Siebenstein weder „Wieder viel zu spät ins Bett!“ noch „Wer nachts feiert, kann auch morgens aufstehen!“ gehört haben will – ich glaube dennoch, dass sie da war. Wer möchte das nicht: Glauben, dass alles gut wird.
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Dont think twice
Die weitaus meisten Fehler, die man sich im Laufe der Zeit leistet, geben sich ja erst im Nachhinein als solche zu erkennen. Manchmal aber weiß man, dass es einer ist, noch während man ihn macht.
Ich wusste es in dem Moment, als ich den Schritt aus der S-Bahn machte. Es war meine Station, ich musste aussteigen, zur Arbeit, ich war eh schon spät dran. Wenn ich mir Mühe gebe, fallen mir bestimmt noch mehr Entschuldigungen ein dafür, dass ich nichts tat. Nichts außer auszusteigen.
War es nicht ein stinknormaler Streit zwischen zwei Eheleuten, da in der S-Bahn? Sie waren laut, fast schrien sie sich an, er hat sie berührt. Nicht geschlagen, aber unangenehm angefasst. Wann ist die Grenze des Privaten überschritten, wann wird eine Auseinandersetzung öffentlich, wann darf ich eingreifen, nein, wann muss ich eingreifen? Und warum zum Teufel kann man darauf wetten, dass immer ein paar gestandene Männer bei so einer Szene danebenstehen und dämlich grinsen?
Fürs nächste Mal schreib ich es jetzt hundert Mal: Nicht lange nachdenken – was tun.
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