Neue Ufer

Das Rundschau-Haus in Frankfurt ist Geschichte. Zwar rücken die Abrissbagger erst im nächsten Monat an, doch die heutige Samstagsausgabe der FR ist die letzte, die im Schatten des Eschenheimer Turms produziert wurde. Nach Redaktionsschluss stieg am Freitagabend die endgültig letzte von ungezählten Feten im alten Haus. Ab Sonntag wird Zeitung vom andern Ufer aus gemacht.
Der letzte Umzug ist ein kleines Weilchen her – rund 50 Jahre, und nur unser 84jähriger Hauskarikaturist Felix Mussil kann sich noch daran erinnern.
Ich selbst erinnere mich stattdessen gut an den Tag, als ich das Rundschau-Haus im Mai 2000 zum ersten Mal betrat – auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch mit der Chefredaktion. Sechs Wochen später konnte ich bei der FR anfangen, bei der Zeitung, zu der es mich seit meinen ersten Volontärstagen hingezogen hatte. Dass sie bereits ein Jahr später in die größte Krise ihrer Geschichte geraten sollte, konnte im Boomjahr 2000 noch niemand ahnen.
Der Umzug in ein neues Domizil auf der anderen Seite des Mains setzt einen vorläufigen Schlusspunkt unter tiefgreifende Umstrukturierungen, die das Haus und seine deutlich kleiner gewordene Belegschaft seither in Atem hielten. Die ließ sich am Freitag per Schiff zum neuen Arbeitsplatz bringen. Auch ich bin noch immer mit an Bord – irgendwo in diesem Gewimmel.

Terror in London

Und so gelingt es einer kleinen Gruppe von brutalen Mördern, die größten Probleme kurzerhand von der Tagesordnung des G8-Gipfels zu bomben.
Erschütternd dreinblickende Politiker versammeln sich demonstrativ hinter ihrem Gastgeber und dürfen sich insgeheim freuen, nun doch nicht allzu viel über die lästigen Themen Klimaschutz und Armut reden zu müssen – Bedrohungen, die mehr Menschen töten als jeder Terroranschlag es könnte. Blair kündigt kämpferisch die Verteidigung des eigenen Lebensstils an, und die Extremisten haben ihr Ziel erreicht. Denn an weniger Armut in der Welt haben auch gerade sie kein Interesse.

Besondere Kennzeichen: keine

Auf einem Zettel am Mast einer Straßenlaterne bei uns um die Ecke sucht jemand ein verschwundenes Tier.

Es ist eine zahme Saatkrähe.

Zur leichteren Identifikation ist ein Bild des Vogels mit abgedruckt.

Wortgefechte

Frau Merkel, gegenwärtig kommen Sie mir mit den Umfragen vor wie ein wunderbar anzuschauendes Soufflé im Ofen. Wir werden mal sehen, in den letzten drei Wochen, wenn da die Souveränin und der Souverän reinpiekst, was von der Größe noch übrig bleibt.
Dass ich das noch erleben darf: Ein Joschka Fischer, der seine staatstragende Außenminister-Bräsigkeit mal kurz hinter sich lässt und während der Vertrauensfrage-Debatte im Parlament einer Kanzlerkandidatin, der noch niemand gesagt hat, dass eine geballte Faust zum dabei gesprochenen Wort passen sollte, zeigt, was Rhetorik vermag – wenn man sie beherrscht.
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