Unterdrückte Bedürfnisse

Irgendwann während der äußerst vergnüglichen zwei Stunden gestern Abend meinte Edda, wir sollten ab und zu das Kind in uns rauslassen. Uns zum Beispiel daran erinnern, wie wir missmutig hinter Mama hergetrottet sind und „Ich will aber nicht in den Kindergarten!“ plärrten. Habe das an der Ampel auf dem Weg zur Arbeit heute morgen kurz in Erwägung gezogen, aber verworfen. Mein Chef stand neben mir.

(So ganz erwachsen wird man ja bekanntlich nie. Nicht, so lange wir uns an der Supermarktkasse beim Griff in die Süßigkeiten-Auslage noch schuldbewusst umschauen, als würde uns gleich jemand auf die Finger hauen. Aber immerhin werfen wir uns nicht mehr auf den Boden.)

Spätes Dankeschön

Auf dem Lido ist er mir plötzlich wieder eingefallen, nach so vielen Jahren.
Ich erinnere mich vor allem an das Schmunzeln, mit dem er unsere Aha-Erlebnisse im Unterricht quittierte. Wie viele Deutschlehrer seiner Generation war er ein großer Thomas Mann-Fan. Ich gestehe: Damals, vor zwanzig Jahren, hätte mich bereits die erste Seite des Erwählten in die Flucht getrieben, hätte ich nicht einen Lehrer gehabt, der es glänzend verstand, in uns eine hartnäckige Neugier auf literarische Abenteuer zu entfachen.

Bei der Abifeier sah ich ihn das letzte Mal. Das war vor siebzehn Jahren.
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Schnittstellen-Probleme

Der nicht sehr groß gewachsene Verkäufer in der Computerabteilung kneift konzentriert die Augen zusammen, als ich ihm schildere, was ich haben will: Eine heimisches Drahtlosnetz, das ich ausschließlich für das Notebook nutzen will und nicht für den Desktop-PC. WLAN on demand sozusagen. Funk nur dann, wenn es nötig ist, und nicht permanent. Ansonsten gutes altes Kabel, Salat hin oder her.
Eigentlich eine einfache Sache. Dachte ich.
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Beziehung auf Zeit

Ganz spontan hat sie heute beschlossen, die Mittagspause mit mir zu verbringen. Das hat sie noch nie getan. Genau genommen kennen wir uns eigentlich gar nicht richtig.
Ganz bestimmt tat sie das nicht, weil ich eine so angenehme Erscheinung und gute Gesprächspartnerin bin. (Natürlich auch, aber nicht nur.) Es steckte mehr dahinter. Irgendetwas versprach sie sich davon. Und ich ahnte auch, was es war.
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