Zwei Programmhinweise

…in Sachen Grimme Online Award
für heute, Sonntag, 24. Juni:

    16.30 Uhr, 3sat, „neues“.
    17 – 18 Uhr, Kulturradio des RBB: Zeitpunkte

Huch. So schnell wird man „Qualitätsmarktführer im Programmzeitschriftensegment“. Wahnsinn.

Am Rande

Mit der Umstellung der Frankfurter Rundschau auf das kleinere Format verschwanden auch eine Reihe von Rubriken, von denen wohl kaum jemand ahnte, wie sehr sich manche Leserinnen und Lesern daran gewöhnt hatten. Bastian/Bastienne etwa, der tägliche Kolumnenschnipsel im Lokalen, von dem nicht einmal die alteingesessenen Redaktionsmitglieder noch recht sagen konnten, woher er seinen Namen hatte. Schmerzlich vermisst wird die „Ecke“, das schräge Schmunzelstückchen rechts unten auf der Titelseite. Und der Comic vom Kleinen König hatte ungeahnt viele Fans. Eingestellt wurde auch die wöchentliche Serie „Blogosphäre“. Ohne es der Autorin mitzuteilen, übrigens.

Literaturgeschichte, leicht vergilbt

Als ich vor mehr als zehn Jahren im Hotel Kleber-Post in Saulgau in den frühen Morgenstunden eine rauschende Hochzeitsfeier mit einem glücklichen Plumps ins Bett beendete, war mir nicht bewusst, dass ich auf literaturhistorischem Boden in den Schlaf sank. 1977 hatte sich in eben diesem Hotel die Gruppe 47 offiziell aufgelöst. Der Schriftsteller-Club, der sich 1947 als Reaktion auf ein Verbot der Literaturblattes „Der Ruf“ durch die amerikanischen Besatzer gebildet hatte, war zu diesem Zeitpunkt im Grunde schon lange Geschichte.

Seit Anfang der 60er Jahre gab es Zersetzungserscheinungen, und mit Beginn der Studentenproteste zerstritten sich Autoren wie Hans Werner Richter, Günter Grass, Alfred Andersch, Martin Walser, Peter Handke endgültig – über die Frage ihrer Politisierung, aber auch über das elitäre Gehabe der linken Schriftsteller-Clique, die andere Autoren nach Gutsherrenart zu ihren Treffen zuließ oder ausschloss.

Martin Walser scheint irgendwann davon genug gehabt zu haben, wie eine vor 40 Jahren geschriebene Postkarte an den Journalisten Hans Dollinger zeigt. Das Original hat jetzt einen Platz in meiner Sammlung.

FR-Frittenbeilage

Mit dieser Geschichte beschäftigen sich auch die Journalisten-Gewerkschaften DJU und DJV (nicht online verfügbar). Wir erinnern uns: Im Rahmen des Projekts FRiSCH (FR in der Schule) waren Schülerreporter bei McDonald’s zu Besuch. Heraus kam eine (oben rechts klein als Anzeige gekennzeichnete) Beilage, in der das Unternehmen – Überraschung! – rundum positiv wegkam.

Aus dem DJV-Magazin „journalist“:

„Werbung sollte intelligent sein“, heißt es in der Beilage. Und besonders intelligent ist Werbung eben, wenn sie als kritischer Journalismus daherkommt. Wenn also unverdächtige Schülerreporter mit ihren Fragen und Recherchen dazu beitragen, dass sich ein Unternehmen wie McDonald’s gut darstellen kann.

Die Journalisten-Union (Verdi) schreibt:

Mc Donald’s greift zu einem perfiden Trick: Die um gutes Image bemühte Imbisskette lässt „Schülerreporter“ für sich Werbung produzieren. Als Laufbursche bietet sich die linksliberale „Frankfurter Rundschau“ (FR) an. Auf den ersten Blick wirkt die achtseitige Beilage wie ein journalistisches Produkt. Sieht aus wie eine Zeitung, liest sich wie eine, ist aber keine.

Kleine Korrektur aus der WG-Küche

Sie [die FR-Redaktion] ist oft verunsichert, was [Chefredakteur] Vorkötter eigentlich will. Fragt man ihn, beginnt er von der wohngemeinschaftlich organisierten „FR“; zu erzählen, die früher erst um 12.30 Uhr konferierte, und davon, um wie viel höher die Schlagzahl ist, mit der Berliner Redaktionen arbeiten. Auch deshalb wirbt er dort Mitarbeiter ab. Sie sollen eine neue Mentalität in die Ressorts bringen. Die Konferenz beginnt jetzt schon um 10.45 Uhr.

Schlecht recherchiert? Kann ich gar nicht glauben. Liebe Kollegen von der Welt, so wie vermutlich bei euch auch, ist die so genannte Mittagskonferenz (die so heißt, weil sie früher um 11.30 Uhr, ganz früher um 12 Uhr stattfand) nur eine von einer ganzen Reihe von Redaktionskonferenzen im Laufe eines stinknormalen Produktionstages bei der Frankfurter Rundschau. Und sie ist keineswegs die erste am Morgen. Aber das zu erwähnen hätte ja die spöttische Pointe versaut, gell. Übrigens, wann beginnt ihr denn zu konferieren?

Kostenlose Werbung

Das Logo der aktuellen ARD-Themenwoche „Kinder sind Zukunft“ erinnerte mich derart penetrant an meinen jüngsten, wenig erquicklichen Besuch im T-Punkt, dass ich mich fragte: Sponsort die Telekom heimlich die Themenwoche? Schleicht sich der Magenta-Betrieb auf diese Weise eine Woche lang werbend in redaktionelle Beiträge der ARD? Tut er nicht, sagt die ARD.

„Unsere Designabteilung hat beim Erstellen des Logos sehr wohl darüber diskutiert, ob sie die Farbe Magenta verwenden kann. Die Kolleginnen und Kollegen kamen jedoch zum Ergebnis, dass dies trotz der Kampagnen der Telekom möglich ist“, antwortet Sabine Knott von der ARD-Zuschauerredaktion auf meine Nachfrage. „Wir bedauern, dass Sie gleich ein Sponsoring vermuten. Dies zeigt, wie gut es der Telekom anscheinend gelungen ist, die Farbe Magenta für ihre Zwecke zu besetzen.“ Tja nun. Der „Designabteilung“ war das ja offenkundig auch bewusst. Sie hat es in Kauf genommen. Die Telekom wird’s freuen.