Erinnerung

An einem Nachmittag im Februar verließen wir das Zimmer, den Ort, der für uns in all den Monaten die einzige Wirklichkeit geworden war, und gingen mit der Ärztin, die sie betreute, nach nebenan. Wir schlossen die Tür, wir sprachen mit gedämpften Stimmen, als würden wir Verbotenes planen oder Unmoralisches.

Wir haben sie gehen lassen an diesem Tag. Sie starb erst Wochen später, aber an diesem Tag, endlich, durfte sie sich auf den Weg machen, weil wir sie nicht länger festhielten in unserer egoistischen Verzweiflung.

Ich hatte zuvor so lange mit mir gehadert, weil ich sie nicht beschützen konnte vor dieser Krankheit, vor den Rückschlägen, den enttäuschten Hoffnungen, vor dem Unausweichlichen. Weil ich ihr nicht helfen konnte. Seit diesem Nachmittag nicht mehr.

Arte wiederholt den Themenabend In Würde sterben heute ab 15.15 Uhr.

Sprechstunde

Nachts eine verrückte Begebenheit träumen und sich im Traum vornehmen, das unbedingt zu bloggen – ist das bedenklich, Blog-Doc?

Besondere Kennzeichen: keine

Auf einem Zettel am Mast einer Straßenlaterne bei uns um die Ecke sucht jemand ein verschwundenes Tier.

Es ist eine zahme Saatkrähe.

Zur leichteren Identifikation ist ein Bild des Vogels mit abgedruckt.

Übern Berg

Sie kommen immer um die gleiche Zeit: Abends, wenn die Hitze nachlässt und der Himmel in dieses dunklere Blau rutscht, wird unsere Dachterrasse zum Versammlungsort der hiesigen Junikäfer. Ausgesprochen vertrauensselige Tierchen. Heute hat Misses Little einen der arglosen Brummer erwischt, als der Wahnsinnige direkt vor ihrer Katzennase Pirouetten drehte. Seither kenne ich mich mit Erster Hilfe bei Käfern bestens aus. Stabile Lage, Flügelrichten, Fühlermassage, eine eiligst eingerichtete Wassertränke auf der Fingerspitze – und die nächste Plage war gerettet.

Friedhofsfein

Heute zur Beerdigung, die erste seit fünf Jahren. Während ich eben meine schwarzen Schuhe ungewöhnlich lange und gründlich putze, kommt mir in den Sinn: Nicht mal im Angesicht des Todes lassen wir Äußerlichkeiten in den Hintergrund treten.