Ansprüche

Man kann es auch positiv sehen: Internetnutzer sind eben anspruchsvoll. Sie wollen alles, sie wollen es sofort, sie wollen es maßgeschneidert, sie wollen es auf ewig und ohne den geringsten eigenen Aufwand.

Nur eins wollen sie (fast) nie: Dafür bezahlen.

www.fr-online.de

Heute ist es soweit. Nach Monaten (manche würden sagen: Jahren) der Vorbereitung relauncht der Online-Auftritt der Frankfurter Rundschau. Noch halten wir die Luft an, hoffen, dass Trilliarden Nervenzellen sind nicht ganz umsonst verlustig gegangen sind, und trinken uns ein Radler, bevor wir die Linkleichen bergen gehen. Rechtzeitig zum Switch ist es übrigens endlich gelungen, die Domain www.fr-online.de zu erwerben. Das mit dem fr-aktuell.de setzte einen immer so… unter Druck! ;-)

Scharfe Kritik gestattet

Aus dem unlängst veröffentlichten Heise-Urteil zur Forenhaftung des Landgerichts Hamburg notiere ich ich mir angesichts der Abmahnomanie diverser Unternehmen in der Blogosphäre mal folgenden Passus:

Der Antragsgegnerin ist allerdings zuzugeben, dass das Geschäftsmodell der Antragsteller, das sie in ihrem Beitrag kritisiert hatte, als in hohem Maße fragwürdig erscheint.
Jedenfalls steht es außer Frage, dass es im Lichte des Grundrechts aus Art. 5 Abs. 1Satz 1 GG in scharfer Form kritisiert werden darf.
Auf dieses Grundrecht darf die Antragsgegnerin sich auch hinsichtlich der über ihr Forum verbreiteten Beiträge berufen, denn Art. 5 Abs. 1GG schützt auch die bloße Verbreitung von gedanklichen Inhalten.

Sie leben länger, als Sie denken

Nicht unbeeindruckt von der politischen Halbwertzeit des BfA-Bescheids nahm ich unlängst Kontakt mit mehreren Versicherungsunternehmen auf, um mich über die Möglichkeiten einer zusätzlichen Altersvorsorge aufklären zu lassen.

Einer der Versicherungsverkäufer, mit denen ich dabei zu tun hatte, malt mir (und vermutlich allen anderen, deren Mailadresse er habhaft werden kann – ob sie nun Kunden bei ihm geworden sind oder nicht, scheint keine Rolle zu spielen) seither regelmäßig in düstersten Farben die bedauernswerten Lebensumstände aus, die mich erwarten, wenn ich nicht sofort (!!!) etwas unternehme.

Heute hing seiner Hiobsmail ein in einer schnörkigen Schriftart formatiertes, merkwürdiges Postscriptum an:

PS: Stellen Sie sich einmal vor, Sie könnten in der Zeit zurückreisen, in das Jahr 1912 und würden die Titanic beim Auslaufen beobachten. Was würden Sie den Passagieren sagen?

Schon klar: Dem Mann ist bei der Suche nach Assoziationen zu Altersvorsorge offenkundig irgendwann der Begriff Rettungsboot eingefallen. Eine fast perfekte Strategie, um Rentenversicherungen zu verkaufen – würde er seine potenzielle Kundschaft nicht im gleichen Atemzug daran erinnern, dass jeder auch vorzeitig den Löffel abgeben kann, wenn es das Schicksal so will.

Aber der Betreff seiner Mail (siehe oben) reißt natürlich alles wieder raus.