Sozialneid – und ich steh dazu

Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat 2003 insgesamt 11,1 Millionen Euro verdient. Im Vorjahr waren es 6,9 Millionen Euro. Das entspricht einer Gehaltserhöhung von rund 60 Prozent. Verdient hat sie sich Ackermann nach Angaben der Deutschen Bank durch die höhere Eigenkapitalrendite sowie eine positive Entwicklung der Aktie im Vergleich zu Wettbewerbern. Die Summe setzt sich zusammen aus einem festen Gehalt von 1,2 Millionen Euro, einem Bonus von 6,6 Millionen Euro, Aktienrechten im Wert von 2,7 Millionen Euro sowie Aktienoptionen über 0,6 Millionen Euro.
Quelle: dpa
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Wir leben in einer Diktatur

Die Presse ist gleich geschaltet. Es herrscht Zensur. Informationen werden gefiltert, eigenständiges Denken ist verboten. Freie Entscheidungen zu treffen ist unmöglich.
Könnte man angesichts der vielstimmigen Klagen über die Manipulationen, denen wir armen Deutschen schutzlos ausgeliefert sind, fast meinen. Da werden dann, weil man gerade so schön in Schwung ist und Hiebe gegen die böse Presse ja eh zum guten Ton gehören, mal eben fast Journalisten mit Terroristen auf eine Stufe gestellt – öffentlich. Gerade so, als könnten wir nicht frei entscheiden, ob wir uns den Dreck, den Taff, Akte soundso, Brisant (und wie sie alle heißen) uns gerne ins Haus liefern möchten, reinziehen wollen oder nicht. Gerade so, als hätten wir nicht täglich am Kiosk die Wahl zwischen einem Dutzend unterschiedlicher Sichtweisen zu ein- und demselben Thema. Gerade so, als würde Herr Diekmann täglich fast vier Millionen von uns mit vorgehaltener Knarre zwingen, sein Blutblatt zu kaufen.
Natürlich bin ich befangen. So wie alle, die sich ständig gegen dümmliche Klischees zu wehren haben – seien es nun Lehrerinnen, Beamte, Nachtwächter oder Roma. Manchmal beschleicht mich ein Verdacht: Auf dem Sofa vor der Glotze liegen zu bleiben und Gift und Galle zu schimpfen über das, was man da vor sich hat, scheint für viele immer noch leichter zu sein, als aufzustehen und seine Gewohnheiten zu ändern. Dafür mag es viele Gründe geben. Verboten ist es jedenfalls nicht.
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Der Hund, der zu viel wusste

Irakische Untergrundkämpfer haben nach Angaben des britischen Militärs einen Anschlag auf einen Hund verübt: Der Spürhund Blaze sollte demnach ausgeschaltet werden, weil er so viele Waffen fand, berichtet die Sun heute. Nach dem Bericht fuhren die „Auftragskiller“ in der südirakischen Stadt Basra mit einem Wagen auf den Spaniel zu und überfuhren ihn, obwohl er einen fluoreszierenden Gurt trug und dadurch besonders gut sichtbar war. Das Tier kam mit ein paar Kratzern davon.
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Männermagazine sind lebensgefährlich

Während die halbe Welt empört mit dem Finger auf Zeitschriften zeigt, die Frauen unter die Abmagerungs- und Anti-Cellulite-Knute zwingen und ihnen erklären, dass Kinder und Karriere unter einem Fingerhut Platz haben, wenn frau denn nur wirklich will, spielen sich, fast unbemerkt, im Leben der Männer die wahren Dramen ab: Wenn ich so ein Männerleben führen würde, wie die Männermagazine es vorführen, wäre ich längst tot, gesteht Harald Martenstein in der Zeit.
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Verpackungskünstler

Im Fernsehen spricht ein Politiker von der Absenkung der Arbeitslosenhilfe auf Sozialhilfe-Niveau und nennt das Gleichstellung. Das klingt ein bisschen wie Gleichberechtigung. Und wer kann dazu schon Nein sagen.
Übrigens: Umbau des Sozialstaates wäre fast mal Unwort des Jahres geworden – 1996, unter Kohl. Den ersten Platz machte damals dann aber doch die Rentnerschwemme.
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Das gute Leben

Alle wollen es, manche haben es, niemand kann es behalten: Das glückliche Leben ist eine Erfindung der Neuzeit, meinte Professor Guy Kirsch gestern im Nachtcafe, wo die Frage „Einfach leben – glücklich leben?“ im Raum stand – und naturgemäß höchst unterschiedlich beantwortet wurde. Vom Broker, der sich vom Flüchtlingskind zur Wall Street hochgearbeitet hat und das erreichte Vermögen nicht mehr hergeben mag. Oder von der Autorin, die mit Büchern a la „Simplify your life“ gut genug verdient, um sich den Luxus des Weglassen leisten zu können. Oder von der Asketin, die in einem Öko-Dorf ohne Strom lebt, weil das ihr Gewissen gegenüber den Armen der Welt beruhigt. Oder von dem viel beschäftigten Schauspieler, der zwischen zwei Drehs im Kloster seine Ruhe sucht.
Quer durchs Mittelalter, so der ebenfalls eingeladene Professor, habe es den Begriff „glückliches Leben“ nicht gegeben. Aber es gab einen anderen dafür: das gute Leben.
Vielleicht liegt das Glück genau hierin: Zu erkennen, dass das gute Leben aus Momenten besteht, von denen einige glücklich sind.
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