Im Glashaus

Unser Haus ist wieder da

Unser Haus ist wieder da

Die Aussicht, im Zuge der energetischen Sanierung unseres Hauses den Balkon einzubüßen, fand ich wenig berauschend. Doch da halfen kein Protest und kein Gejammer: Der Mini-Freisitz müsse verglast werden, beteuerte der Bauleiter und verwies auf eine Kältebrücke.
Nach drei leidvollen Monaten mit viel Lärm und Dreck ist unser Haus nun wieder da: das Gerüst abgebaut, Fassade gedämmt, Fenster und Dach neu, der Balkon verglast (mit der Möglichkeit, die Fenster zu öffnen) – und siehe da: Es ist wunderbar, auch im Winter „draußen“ sitzen zu können!

Und so sieht das aus: Weiterlesen →

Mind the doors!

Da ist noch ein Mitbringsel aus London. Kurz, bevor ich den Aufnahmeknopf drückte, hatte dieser U-Bahn-Fahrer seinen Fahrgästen mitgeteilt, dass er so ziemlich pünktlich in der Station Canary Wharf ankommen würde, wo die regionalen Anschlusszüge noch fahren; und sollten wir unseren trotzdem verpassen, mögen wir doch bitte jemand anderen dafür verantwortlich machen – alles in einem ausgewiesen britisch-freundlichen Ton. Dieses Highlight blieb der Nachwelt leider nicht erhalten. Aber hörenswert ist auch seine ausgesprochene Sorge um unsere körperliche Unversehrtheit:

Ganze Imperien vergehen!

Gerade, als ich beim 25-jährigen Abitreffen in eine pathetische Trauerrede für eine gewisse von der Insolvenz bedrohte Traditionszeitung verfalle, sagt mein Gegenüber: „Ach weißt du – nichts hält ewig, auch wenn es noch so lange Bestand hatte. Mir kannst du’s glauben.“
Ich fixiere ihn über den Rand meines Glases hinweg und frage: „Sag mal, was machst du noch gleich beruflich?“
„Ich bin Archäologe.“

Viele Stunden später, als meine alte Freundin K. und ich aus dem Restaurant in die Nacht laufen, ist es heimlich, still und leise Winter geworden. Einen Augenblick lang bleiben wir perplex stehen und schauen fasziniert auf die Schneelandschaft. Dann tapsen wir los und machen fröhlich wie kleine Kinder die ersten Spuren in das unberührte Weiß.

Die neue Frankfurter Rundschau darf keine Tageszeitung mehr sein

Ich spinne einfach mal drauf los.

Die neue Frankfurter Rundschau ist ein lebendes Medienprodukt. Sie „erscheint“ nicht mehr in einem festen Rhythmus, sie ist einfach da. Es gibt sie, stets aktuell, im Web und als App, und es gibt sie, als zeitlosere Version mit reinen Hintergrund-Informationen, einmal pro Woche (vielleicht am Wochenende) auf Papier. Man kann sie einzeln kaufen und im Baukastensystem abonnieren: Zugriff auf ein einzelnes Format, Kombinationen oder Vollzugriff auf alle Formate. Im Web ist sie bis zu einem bestimmten Umfang kostenlos verfügbar.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit für Leser, bestimmte journalistische Projekte – zu Beispiel investigative Geschichten – gezielt und zweckgebunden mitzufinanzieren.

Für die neue FR schreiben, filmen, foto-, audio- und kartografieren Journalistinnen und Journalisten, die ihre Aufgabe nicht darin erschöpft sehen, eine fertige Geschichte abzuliefern und sich dann der nächsten zuzuwenden. Die ihre Fragen an Interviewpartner nicht im stillen Kämmerlein stellen, um deren Antworten dann an die Leserinnen und Leser weiterzureichen. Für die „dran bleiben“ nicht nur heißt, Nachdreher zu verfassen, sondern auch Reaktionen, Fragen, Kritik, Anregungen, bislang unbeachtete Aspekte zu dem, was sie bereits geschrieben haben, aufzugreifen. Die einen Text nicht mehr per se als abgeschlossen betrachten, bloß weil er erstmals publiziert worden ist.

Für die neue FR arbeiten Journalistinnen und Journalisten, die kommunizieren – in alle Richtungen. Die keinen Unterschied machen zwischen einem Fan oder einen Follower und dem Chef des Einzelhandelsverbandes – und die sich die Zeit nehmen, mit beiden zu reden. Die sich im Social Web ebenso selbstverständlich bewegen wie auf Pressekonferenzen. Die große Datenmengen ebenso übersetzen können verschwurbelte Politikerreden. Nicht zuletzt: Die sich nicht scheuen, ihre Arbeit transparent zu machen – und offen darüber berichten, wie sie berichten (oder auch, wie man sie am Berichten hindern will).

Nur eins darf sie nicht mehr sein: Tageszeitung. Ein Schnappschuss vom Zustand der Welt hält sich heute einfach keine 24 Stunden mehr. Ich bin immer noch überzeugt, dass Journalismus ein Produkt ist, für dass es genug Käufer gäbe – aber wer will es haben, wenn wir es in ein nicht mehr zeitgemäßes Format pressen?

Unbezahlbar? Vielleicht doch: Die neue FR wird gemacht von einer kleinen, aber schlagkräftigen Truppe aus Experten für Crossmedia-Journalismus, Technik und Vermarktern, die im Digital-Geschäft versiert sind. Eine Crowdfunding-Aktion bringt sie zum Fliegen. Eine Genossenschaft hält sie in der Luft. Könnte das klappen?