Damals hatten meine Eltern eine Platte im Schrank, offenbar für Hobbyfilmer, mit dem wenig attraktiven Titel Geräusche für den Amateur. Ich hörte trotzdem eines Tages mal rein – und legte die Scheibe danach wieder und wieder auf. Gebannt von so viel Authentizität, lauschte ich dem Geräusch einer ins Schloss fallenden Tür, den Schritten auf unterschiedlichen Böden, die sich entfernten oder näherkamen, aber auch dem Singsang diverser Vogelarten, die auf dem Cover akkurat inklusive ihrer zoologischen Namen aufgeführt waren. (Bald wusste ich die Piepmätze anhand ihres Gezwitschers auseinanderzuhalten. Von wegen Amateur!)
Heute könnte ich stundenlang in der Geräusche-Sammlung von The Freesound Project stöbern. Viele der Sounds sind mit Geotag versehen, so dass man per Google Map aus dem All etwa auf den Küstenabschnitt in Schottland schauen kann, dessen Brandung man gerade hört.
Werde Ohrenzeugin einer nächtlichen Begegnung. Erlebe ein beeindruckendes Gewitter, ohne dabei nass zu werden. Gib deine Sehnsucht diesem vorbeifliegenden Gänsepaar mit auf den Weg. Setz dich in eine Londoner Bahn und fahr bis zur Station Shepherd’s Bush. Oder wohne den Ritualen eines Sportfestes an einer japanischen Schule bei …
Ja, ich gestehe: Manchmal möchte ich Blogs offline zu mir nehmen. Weil ich zum Beispiel für die Bahnfahrt noch eine haptische Lektüre brauche, die Tageszeitung aber bereits durchgefleddert ist und ich den ganzen Tag nicht zum Bloglesen via Monitor gekommen bin. Für solche Gelegenheiten wäre es nett, wenn mir der Drucker die jüngsten Beiträge meiner Lieblingsblogs als kleines Kompendium für den Heimweg ausspucken würde, ohne dass ich alles einzeln ausdrucken muss.