Riskantes Leben

Wer sich wiederholt sehenden Auges in Gefahr begibt, darf keinerlei solidarische Hilfe mehr erwarten, unkt vor allem die konservative Presse über den Fall Susanne Osthoff – und man wird das Gefühl nicht los, dass die Frau nicht nur für ihre unerhörte Abkehr vom christlichen Abendland abgestraft wird, sondern auch für ihre Weigerung, sich nach den Entführern auch von gewissen Medien lukrativ vermarkten zu lassen.

Legt man die gleichen Maßstäbe an das durchschnittliche Risikoverhalten eines Deutschen aus Gelsenkirchen oder Templin oder sonstwo in diesem Land an, dann müsste die Forderung wohl lauten: Wer trotz eindringlicher Warnungen weiterhin raucht oder säuft, darf keinerlei solidarische Hilfe erwarten – und muss für jegliche Behandlungskosten fortan alleine aufkommen.

Riskant leben auf Kosten der Gesellschaft – das praktizieren wir hierzulande mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass wir uns beim Fingerzeig auf andere eigentlich permanent an der Glasscheibe stoßen müssten.

Scoops of the Day

Der kleine Unterschied:
Schröder = machtbewusst, Nahles = karrieregeil.
Die intime Beichte: Stoiber = Müntefering
Lesen Sie dazu den großen Selbsttest: Vor dem Monitor niesen, nachdem man gerade in ein Brot gebissen hat.
Leicht verschnupft und halsgewickelt, aber tapfer im Dienst,
die Redaktion

Reifeprüfung

Tabus! So sehr wurden wir in den vergangenen Jahrzehnten mit ihren Brüchen überschüttet, dass ich mir schon langsam Sorgen machte. Was, wenn wir beim Griff in die Tiefen alles Menschlichen irgendwann ins Leere fassen – weil da nichts mehr ist, was sich noch gewinnbringend ans Licht zerren ließe? Was, wenn es keine überraschenden Antworten mehr gibt auf die wesentlichen Fragen des Lebens: Wer macht es wo, wann, wie lange, wie oft, mit wem oder mit was? Irgendwann, so dachte ich, gehen sie uns noch aus, die Tabus! Irgendwann haben wir alle Stellungen durch! Und was dann? Wird das Loch, in das wir dann fallen, tief genug sein, um darin vielleicht doch noch ein paar unbeschriebene Geheimnisse zu finden? Und wenn nicht, womit wollen einschlägige Sender, Zeitungen und Zeitschriften dann ihr Geld verdienen?
Zum Glück ist die Sorge unbegründet. Wenn man sich auf eines verlassen kann, dann hierauf: Irgendein Tabu findet sich immer. Und wenn nicht, wird halt eins gemacht. Der Spiegel, zum Beispiel, präsentiert gerade so eins. Denn erst jetzt, da wir dank des medialen Dauerfeuers endlich tief verinnerlicht haben, dass mit jemandem etwas nicht stimmt, der nicht alles und jeden von mehreren Seiten und mindestens dreimal pro Stunde ausprobiert – erst jetzt sind wir reif genug, um uns der bizarrsten Vorliebe aller Zeiten zu stellen:
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Spätzünder

Alles braucht seine Zeit, und manche Institution braucht davon etwas mehr als andere. Aber zu spät ist es selten, und so geht die Frankfurter Rundschau nun mit ihrem eigenen Weblog an den Start. Und, in aller Unbescheidenheit: Ich habe daran nach Kräften mitgezündelt.

Spätzünder, ja, aber immerhin: Bei der FR kocht der Chef bloggt die Chefredaktion höchstselbst, ein Novum in der deutsch bloggenden Medienwelt (jedenfalls so weit ich sie überschauen kann).
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Risikogruppen

Diese blondierten Gerichtsreporterinnen, die nach dem Türck-Freispruch allwissend War mir von Anfang an klar in das gleiche Mikrofon plärren, vor dem sie zuvor wochenlang detailreich all die schlimmen Sex-Vorwürfe durchhechelten – nunja. Professionelle Tratschtanten wie jene, die unbekümmert über das bis vor kurzem mutmaßliche Vergewaltigungsopfer Katharina B. vor laufender Kamera sagt, die habe ja so einiges auf dem Kerbholz, um anschließend mit gespielter Sorge zu hoffen, dass die Frau nicht fortan in der Öffentlichkeit gehänselt wird – die erinnerte mich spontan an eine meiner alten Forderungen.
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Sternstunde des politischen Journalismus

In Kürze ist es soweit, Bundespräsident Horst Köhler verkündet seine Entscheidung.

Wir bereiten uns seelisch und physisch darauf vor.

Eine weitere Information erreicht uns soeben: Bundespräsident Horst Köhler wird in zwei Minuten, jetzt sind es wahrscheinlich nur noch anderthalb Minuten, seine Entscheidung verkünden.

Fünf, vier, drei, zwei, eins, und es geht los.

N24 (Slogan: Wir kommen zur Sache) heute Abend