Örtlich Bodennebel

Stellen wir uns folgende Situation vor: Ein Journalist fragt im Interview einen Politiker der FDP, ob es in einer schwarz-gelben Koalition eine Erhöhung der Mehrwertsteuer geben werde oder nicht.

Der Politiker reagiert folgendermaßen:
Gegenfrage: Schlagen Sie noch Ihre Frau?

Wie sollte der Journalist reagieren?
a) Beantworten Sie einfach meine Frage.
b) Das tut hier nichts zur Sache.
c) Nein. Da können Sie sie fragen.
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Krieg der Häkchen

Gänsefüßchen haben Hochkonjunktur.
Sie scheinen überall zu sein.
Geradezu beängstigend wird es, wenn ich an Bord eines Flugzeugs in einem Prospekt lesen muss: Wir wünschen Ihnen einen „guten Flug“. Für mich liest sich das nämlich so: „Hallo, lieber Fluggast, Sie wissen ja, der Ruf unserer Gesellschaft ist nicht gerade der Beste, also erwarten Sie nicht zu viel. Beschwerden bitte direkt in die dafür vorgesehene Spucktüte! Und jetzt heißt es: Anschnallen und beten!“
Der Zwiebelfisch über das grassierende Gänsefüßchen-Virus.

Bild bellt

Was im Bildblog noch nicht mehr fehlt: Die Boulevardzeitung bedankt sich heute in der ihr eigenen Art bei der „Zeit“ für einen kritischen Artikel über die zunehmende Rücksichtlosigkeit von Medien im allgemeinen und „Bild“ im besonderen: Mit einer rein spekulativen Gerüchte-Story über eine angebliche heimliche Liebesaffäre von „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.

Die letzte Reise

Die Venezianer wussten ihre glückliche Geografie zu nutzen: Alles, was ihnen nicht geheuer war oder gar gefährlich werden konnte, wurde aus der Stadt und auf einen der vielen schwimmenden Vorposten verbannt. Die Kranken bekamen ihre Insel, die Irren eine andere, die herrenlosen Hunde eine dritte. Und die Toten bekamen San Michele.
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Zu Gast bei Peggy Guggenheim

Palazzo non finito – der unvollendete Palast, so nennen die Venezianer den Palazzo Venier dei Leonie. Das weiße Gebäude am Canal Grande besteht – anders als all die stolz in den blauen Himmel ragenden Palazzi ringherum – nur aus einem Erdgeschoss. Der Bau blieb Torso – warum, weiß man heute nicht genau. Ich trete auf die Terrasse und lasse den Blick schweifen &#8211 nach links, wo sich die hölzerne Ponte dell Accademia über den Kanal spannt und San Marco mit dem Dorsoduro verbindet; nach rechts, wo sich der Canal Grande zur Lagune hin weitet; geradeaus zum anderen Ufer, wo sich die Fassade des prächtigen Palazzo Corner im Wasser spiegelt – und augenblicklich verstehe ich, warum Peggy Guggenheim sich hier, in diesem „unfertigen“ Haus, niedergelassen hat.
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Tiefenschärfe

Sicher ist, dass mich das Fotografieren auch das „Sehen“ gelehrt hat, oder besser, das genauere Hinsehen. Gerade in der heutigen Zeit, wo so viele visuelle Eindrücke an uns vorbeirauschen, ist die Fähigkeit sich auf einen kleinen Bildausschnitt konzentrieren zu können, genau hinzusehen, tiefere Schichten quasi „freizulegen“, indem man einer Person, einem Gegenstand oder auch einer Landschaft die Möglichkeit gibt sich vor unseren Augen zu entfalten, wichtig und nötig, um nicht irgendwann vor lauter visuellen Eindrücken im Grunde gar nichts mehr wahrzunehmen.

Liisa hat bei Blimage ein Interview über das Fotografieren gegeben.