Welcome to Homophobia

Jaja, ich sollte mich langsam dran gewöhnt haben.
Frankfurt, Mainufer, 1. Januar, kurz nach Mitternacht. Zwei volltrunkene Männer aus dem ersten Stock sehen uns auf der Straße küssen. Sie quittieren das, indem sie ein paar Chinakracher der Größe XXXL anzünden und uns von oben aufs Haupt werfen.
BUUUUUUM. KRACH. *seng*.
Thank you, Miss Sophie, thank you.
Jaja, ich sollte mich daran gewöhnt haben. Und doch ist es diesmal eskaliert, leider. Irgendwann sind die Typen auf der Straße, bauen sich vor uns auf, ein Sektglas zerspringt, und ich hänge am Handy und lasse die Polizei die Morddrohungen live mithören.
Das Schlimmste an all dem: Dass jemand nur Stroh im Kopf und trotzdem die besseren Karten hat – bloß, weil er dir körperlich überlegen ist. Ich meine: Die konnten zwar nicht mehr geradeaus gucken, aber uns mit einer einzigen Armbewegung ungespitzt in den Boden hauen, das hätten sie allemal geschafft. Schielend!
Noch schlimmer aber ist, dass ich es immer noch nicht fertig bringe, diesen homophoben Scheißdreck einfach an mir abperlen zu lassen.
Später in der Nacht ein Anruf einer Freundin: „Morgen erstatten wir Anzeige.“ Ja, das werden wir tun. Auch wenn es nichts bringt.

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Letzter Tag heute*

Was für ein Jahr.
Prall gefüllt mit allem, was sich fühlen lässt. Ein Drahtseilakt, ein ungestümer Tanz bis ganz ans andere Ende der Fahnenstange. Ohne doppelten Boden, dafür mit diesem steten Ziehen in der Magengrube. Ein heilloses Flattern, ein leise flüsterndes Gewissen, ein Herz, das auf sein Recht pocht. Eine geradezu unverschämt sichere Gewissheit. Ein Wahnsinns-Sprung.
Ich habe keinen Fallschirm dabei.

2003, zusammengefasst:

Versucht: Ich habs. Und ich wurde. :)
Gelernt: Dass auch Millionen Menschen einen einzelnen Verrückten nicht aufhalten können, solange er dejenige ist, der die Knarre in der Hand hat.
Erreicht: Mehr als genug. Nicht, dass mir der Ehrgeiz fehlt, aber man muss sich ja auch noch steigern können. ;-) Auf den letzten Drücker hab ich sogar das Laufen wieder angefangen.
Geirrt: In einem Punkt, vielleicht, meine Kräfte und Möglichkeiten überschätzt.
Berührt: Von einem Wiedersehen in einer Frankfurter Kneipe. Von einem Mega-Konzert in der Hamburger AOL-Arena. Von einer Berliner Straße, die Geschichte erzählt. Von dem Sonnenlicht, betrachtet aus dem Inneren des Doms in Florenz, rücklings auf dem Boden liegend. Von einer Umarmung an meinem Geburtstag. Von der Treue eines Seepferdchens. Und vom Lebenswillen einer greisen Hündin.

*Hermann van Veen

Oh wie schön ist Panama

Man darf auf der Welt nichts zu verlieren haben. Nicht mal das Leben.

Der traurig-lustige Zeichner Janosch weiß, wovon er spricht, musste er sich doch offenbar durch eine schwere Kindheit, durch religiöse Folter, durch Krankheit und Armut leben, bevor er den kleinen Tiger und den kleinen Bären auf den Rundweg ins vermeintliche Panama schickte.
In einem Interview erzählt Janosch von einem Nahtoderlebnis: Bekam eine Injektion in die Mitte des Brustbeins, und dann segelte ich aus meinem Körper in einem Lichtstreifen rechts raus. Der Arzt schüttelte mich, und ich fiel aus dem Licht wieder zurück. Währenddessen war jeder Schmerz weg, und es gab keine Spur von Furcht. Eher Heiterkeit.

Klischee, denkt man sofort. Aber daran glauben würden die Menschen ja schon gerne. Daran, dass der Tod nicht finster und grauslig, sondern hell, warm und erlösend daherkommt.
Vor Jahren fiel ich in Ohnmacht, weil ich mir mit einem Brotmesser in die Hand gesäbelt hatte. (Jaja. Ich war noch jung und sensibel.) Ich lag bewusstlos in einem abgedunkelten Raum auf den Fliesen und nahm doch mit allen Sinnen die Wärme und das Licht wahr, das mich umgab. Alles war gut, bis diese Stimmen auftauchten, die alle durcheinander und auf mich ein redeten und immer lauter wurden. In meinem Kopf seufzte es „Menno. Grad, wo es so schön ist.“, und im nächsten Moment schlug ich die Augen auf und sah mich von meiner Clique umringt. Jahre später erinnerte ich mich daran, als ich in das heitere Gesicht meiner gerade gestorbenen Mutter schaute.

Man darf auf der Welt nichts zu verlieren haben. Hm. Jedenfalls lebt es sich ohne Angst wesentlich leichter.

Innere Logik

Gestern im Schuhgeschäft. Ein Kunde will gekaufte Schuhe zurückgeben, weil sie ihm nicht passen.
Verkäufer: Die Schuhe sind getragen, die können wir nicht zurücknehmen.
Kunde: Warum nicht?
Verkäufer: Weil sie bereits getragen sind.
Kunde: Ich will die zurückgeben.
Verkäufer: Ja, ich weiß. Aber wir nehmen sie nicht zurück. Sie haben diese Schuhe auf der Straße getragen. Hier an der Sohle, da sieht man es.
Kunde: Ich will mein Geld zurück. Hier sind die Schuhe.
Verkäufer: Das geht nicht.
Kunde: Warum nicht?
Verkäufer: Weil…
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Ein bisschen Spaß muss sein

Habt ihr ein wenig Zeit? Die Boxen angeschaltet? Und Lust auf ein Spielchen?
In den Tiefen einer stillgelegten Werbe-Website der Firma Garnier verbirgt sich das Abenteuer Samorost. Es gilt, einen kleinen verschlafen Gnom, der ein wenig an das Sandmännchen erinnert, durch surreal wirkende Welten zu bewegen und zu diesem Zweck diverse mechanische Rätsel zu lösen. Erinnert mich an die vielen Myst-ischen Nächte vor ein paar Jahren…
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