Revolverheld

Mensch, unser Innenminister. Ein ganzer Kerl, der Friedrich. Hat’s den Islamisten gerade wieder so richtig gezeigt. Wer Anschläge zu verüben gedenke, müsse damit rechnen, getötet zu werden. Da gäb’s „kein Mitleid“. Sagt Herr Friedrich, unser Innenminister. An Sonntagen schafft man es mit solchen Sprechblasen sogar in die Radionachrichten. Dabei haben wir heute, am Tag nach dem Viertelfinal-Aus, ganz andere Probleme. Weiterlesen →

Ein Leben im Flug

Hach. Sie werden ja so schnell erwachsen, die Kleinen. Gerade erst aus dem Ei geschlüpft und schon auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Seit ein paar Wochen schaue ich zwei Mauerseglern täglich beim Erwachsenwerden zu. Das Nest, in dem Ramba und Zamba ausgebrütet wurden, steht in Basel, und der Livestream unter spyren.ch liefert Bewegtbilder in guter Qualität.

Inzwischen zählen die beiden 27 Tage Lebensalter, haben bereits die ersten Flugübungen hinter sich und sind, wenn mich nicht alles täuscht, in die letzte Phase vor dem Abflug getreten: Abmagern bis zum optimalen Fluggewicht.

Ginger und Fred, die Eltern, sind im Nest kaum noch zu sehen. Vermutlich haben sie sich zu den anderen Mauerseglern gesellt, die jeden Abend ihre Screaming Partys feiern und sich in den Himmel hoch schrauben – um dort zu schlafen.

Zu spät

Kurz vor Mitternacht mit einem Glas Wein in der Hand noch einmal auf den Balkon treten, den Mond in einem „irgendwie anders“-Zustand antreffen und erst danach lesen, dass „irgendwie anders“ nichts anderes als das Wiederauftauchen aus einer Mondfinsternis war. Nun strahlt er wieder voll, der Mond, wie ich.
PS: Ein werter Kollege mutmaßte heute, ich sei in Wahrheit nur ein in Schottland studierender US-Amerikaner. Ich halte auch hier fest: Das bin ich nicht.

I had a dream

Als sich der amerikanische Präsident zur Wiederwahl stellte, verfiel ich – als seine engste Beraterin – auf eine Idee. Ich engagierte eine Maus, die das Talent hatte, die amerikanische Nationalhymne zu singen, ließ ihr ein Miniaturmikrofon bauen und sorgte dafür, dass sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit bei Wahlkampffterminen ihren Auftritt hatte. Die Maus erwies sich als Wunderwaffe, die Menschen waren begeistert. Das singende Tierchen war unbezahlbar. Einmal, als der Präsident Besuch von der Queen hatte, änderte die Maus spontan das Programm und sang aus voller Inbrunst „God save the Queen“. Als der letzte Ton verklungen war, starrten alle Anwesenden die Königin an. Die hatte ihren Blick starr auf das Mäuschen gerichtet – und Tränen standen in ihren Augen.

Der Präsident wurde wiedergewählt.

(Manche Träume muss man einfach irgendwo festhalten, bevor sie sich im anbrechenden neuen Tag verflüchtigen.)

Die Hauptstadt von Aserbaidschan…?

Für eine, die noch zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung so gar keine rechte Lust darauf hatte, habe ich mich beim Eurovision Song Contest erstaunlich wohl und bestens unterhalten gefühlt. In Düsseldorf herrschte eine Atmosphäre wie bei der Fußball-WM 2006 – nur ohne nervige Fußballfans. Naja, fast.
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Mach’s gut, Drahtesel

Hast mich gut durch die Stadt, auf vielen Touren am Main und sogar zum Leuchtturm List auf Sylt gerollt. Gut, ok: Die letzten Jahre habe ich dich nachlässig behandelt. Wind und Wetter haben dir zugesetzt. Gerade hatte ich mir vorgenommen, dich zu putzen, dir eine neue Kette und neue Bremsen zu spendieren, da trennen sich vor ein paar Tagen unerwartet unsere Wege: An den Riederhöfen biste mir geklaut worden, als ich mal eine Minute nicht nach dir gesehen hab. Eins sag ich dir: Unter Tausenden würd ich dich erkennen, falls wir uns jemals wiedersehen. Ich halte die Augen nach dir offen.