Tabus! So sehr wurden wir in den vergangenen Jahrzehnten mit ihren Brüchen überschüttet, dass ich mir schon langsam Sorgen machte. Was, wenn wir beim Griff in die Tiefen alles Menschlichen irgendwann ins Leere fassen – weil da nichts mehr ist, was sich noch gewinnbringend ans Licht zerren ließe? Was, wenn es keine überraschenden Antworten mehr gibt auf die wesentlichen Fragen des Lebens: Wer macht es wo, wann, wie lange, wie oft, mit wem oder mit was? Irgendwann, so dachte ich, gehen sie uns noch aus, die Tabus! Irgendwann haben wir alle Stellungen durch! Und was dann? Wird das Loch, in das wir dann fallen, tief genug sein, um darin vielleicht doch noch ein paar unbeschriebene Geheimnisse zu finden? Und wenn nicht, womit wollen einschlägige Sender, Zeitungen und Zeitschriften dann ihr Geld verdienen?
Zum Glück ist die Sorge unbegründet. Wenn man sich auf eines verlassen kann, dann hierauf: Irgendein Tabu findet sich immer. Und wenn nicht, wird halt eins gemacht. Der Spiegel, zum Beispiel, präsentiert gerade so eins. Denn erst jetzt, da wir dank des medialen Dauerfeuers endlich tief verinnerlicht haben, dass mit jemandem etwas nicht stimmt, der nicht alles und jeden von mehreren Seiten und mindestens dreimal pro Stunde ausprobiert – erst jetzt sind wir reif genug, um uns der bizarrsten Vorliebe aller Zeiten zu stellen:
Weiterlesen →
Blog
Hamsterrad, Auslaufmodell
Vermutlich ist das eine Folge des fortschreitenden Lebensalters: Ich habe mir angewöhnt, jeweils im Januar oder Februar alle langfristigen Termine, die dann bereits vereinbart sind, für das komplette Jahr auf einen Zettel zu schreiben. Für das, was ich zu Siebensteins Amüsement meinen Großen Plan nenne, reicht ein einziges Blatt eines kleinen quadratischen Abrissblocks, und der hängt dann ein Jahr lang an der Magnettafel über meinem Schreibtisch, fast in Augenhöhe und auf jeden Fall in Griffweite, denn immer wieder werden Termine abgehakt und andere dazugekritzelt. Und in sämtliche Zwischenräume schreibe ich in roten Buchstaben URLAUB?
In nicht einmal 24 Stunden werde ich das voraussichtlich letzte Häkchen machen. Danach nur noch ein eintägiges Seminar in Hamburg, dann war’s das für dieses Jahr (die wimmelnden Terminchen im Wochenplaner zählen nicht), und ich schalte von Standby auf Sparmodus um. Dann gibt es hier auch mal wieder regelmäßigere Lebenszeichen. Vielleicht. ;)
Liebe BfA,
vor einigen Tagen traf deine Flaschenpost ein. Ich ahne, wie einsam du dich auf deiner Insel fühlen musst – keine Zeitung, kein Radio, kein Fernsehen… abgeschnitten von der Nachrichtenlage, und das seit Jahren schon. Auch wenn ich kaum Hoffnung habe, dass dich diese Zeilen je erreichen werden – ich versuche es:
Weiterlesen →
Spätzünder
Alles braucht seine Zeit, und manche Institution braucht davon etwas mehr als andere. Aber zu spät ist es selten, und so geht die Frankfurter Rundschau nun mit ihrem eigenen Weblog an den Start. Und, in aller Unbescheidenheit: Ich habe daran nach Kräften mitgezündelt.
Spätzünder, ja, aber immerhin: Bei der FR kocht der Chef bloggt die Chefredaktion höchstselbst, ein Novum in der deutsch bloggenden Medienwelt (jedenfalls so weit ich sie überschauen kann).
Weiterlesen →
Und ihr,
liebe Vertreter der Wirtschaftsverbände – wärt ihr so freundlich und würdet damit aufhören, uns als dummes Stimmvieh hinzustellen, weil wir es gewagt haben, unsere Wahlentscheidung nicht einzig und allein nach dem DAX zu richten? Und findet ihr es nicht irgendwie absurd, dass ihr nach der Ankündigung der Neuwahl die Kurse schon mal vorab – als wäre die neue Regierung bereits im Amt – in die Höhe habt treiben lassen, und nun ernsthaft uns dafür verantwortlich macht, wenn sie wieder fallen?
Wahlkämpfer unter sich*
* Oder: Wie wir wohl alle ohne Maske aussehen?
Heute, bei der Mikrofonprobe im Berliner Studio vor der Aufzeichnung der Sendung „Sabine Christiansen“ mit Spitzenpolitikern der im Bundestag vertretenen Parteien:
Weiterlesen →