Es ist eine alte journalistische Regel: Je näher das Ereignis, umso wichtiger wird es genommen. Anders ausgedrückt: Zwei deutsche Opfer unter den Toten einer Überschwemmung sind allemal schlagzeilenträchtiger als 400 ertrunkene Chinesen. Es sei denn, die Chinesen kommen im Hamburger Hafen ums Leben.
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Politik
Seltsame Woche
Milchmädchen laufen mit Taschenrechnern durch die Talkshows und verkünden, dass mehr Menschen einen Arbeitsplatz bekommen würden, wenn die, die bereits einen haben, ein paar Stunden länger im Büro oder am Fließband blieben. Zur gleichen Zeit entwickeln verzichtbereite Kollegen ein Jobsharing-Modell für ihre Abteilung, um wenigstens einen oder zwei Mitarbeiter vor der Kündigung zu bewahren.
Der Spiegel druckt seitenweise Bilder von Unfalltoten, aber was mich zu Tränen rührt, ist ein alter Song von Phil Collins und eine Umarmung dazu. Bin ich an den falschen Stellen dünnhäutig?
Endlich lässt sich das Pentagon dazu herab, die Haftgründe für die in Guantánamo einsitzenden „feindlichen Kämpfer“ prüfen zu lassen – aber nicht etwa gerichtlich, sondern von einem Militärtribunal. Und der „Vertreter“, der jedem Häftling zur Seite gestellt wird, darf keinerlei juristische Kenntnisse besitzen.
Seltsames Wetter im übrigen. Aber ich werde nicht darüber meckern. Diesmal sind die anderen dran. ;)
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Whiskas für Indien
Aufgebrachte indische Jugendliche verbrannten in der südindischen Stadt Trivandrum eine Puppe des US-Präsidenten – nicht etwa wegen dessen Irak-Politik, sondern, weil die Katze im Weißen Haus „India“ heißt. „Das ist eine Beleidigung Indiens, der Inder und unserer Nationalität“, sagte Binoo C. Thampan, einer der Organisatoren. „Es verletzt unseren Nationalstolz.“
Die Bushs haben ihre Katze bereits vor mehr als zehn Jahren in Anlehnung an den Baseball-Spieler der Texas Rangers Ruben Sierra getauft, der auch „El Indio“ genannt wurde.
Die Demonstranten haben nun die Regierung in Neu Delhi aufgefordert, Bush über ihren Protest zu informieren. „Wir warten auf eine Antwort der indischen Regierung“, sagte Thampan. „Wenn Bush überhaupt Verstand hat, wird er die Katze umbenennen.“
Hm. Das ist nicht zu erwarten.
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Wenns weiter nichts ist
Unionspolitiker fordern mehr Sex für die Rente.
Aber gerne.
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Kollateralschäden
Das jüngste Todesopfer der Gewalt in Irak scheint Muhsen Numan Musa al-Ardawy zu sein. Es war ein Baby – noch keinen Monat alt.
Das jedenfalls geht aus den Daten hervor, die Civic Worldwide hier zusammengestellt hat. Die dort abzurufende Liste der zivilen Opfer, die sich nach mehreren Kriterien, darunter Alter, sortieren lässt, hat mittlerweile eine längere Ladezeit. Die Grafik deaths by age & gender illustriert noch eindrücklicher, das der Anti-Terror-Krieg – und ebenso der so genannte Widerstand! – vor Kindern nicht Halt macht.
via Riverbend
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Liebes Europaparlament!
Ich schätze, du bist nüchtern erwacht am Tag nach der Wahl. Zum Feiern hattest du ja gestern auch keinen Anlass. Es muss verdammt weh tun, so offenkundig für bedeutungslos erklärt zu werden. Nicht einmal die Hälfte derer, die in Deutschland über deine Zusammensetzung bestimmen dürfen, haben sich dazu aufgerafft. Anderes war wichtiger als die Ausübung eines Rechts, für das einst gekämpft und sogar gestorben wurde. Fernsehen wahrscheinlich. Oder in der Kneipe hocken und über unfähigen Politiker schimpfen. Selber machen? Nö, lass ma.
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