Terror im Kopf

Wer weiß, irgendwann stolpern wir über die Trümmer unserer Welt und erinnern uns wehmütig daran, dass wir mal glaubten, die Praxisgebühr wäre etwas Schlimmes, sag ich heute früh zu Siebenstein. Der (Nachrichten-)Tag gestern hat mir doch mehr zugesetzt als ich dachte. Vielleicht sollte ich mir abgewöhnen, meine Nase in Drohbriefe zu stecken.
Es gelingt mir immer schlechter, solche Elaborate als Geschwätz von Verrückten abzutun, und zugleich glaube ich immer weniger daran, dass Globalisierung nur sozial gerecht organisiert werden müsste, um dem Terror in der Welt den Boden abzugraben. Die Bombenleger sind keine armen, benachteiligten Schweine. Es sind privilegierte, zum Teil wohlhabende junge Männer, die sich mittlerweile nicht mal mehr den Anschein von Rebellentum geben.
Sie töten. Einfach so.
Dass sich hier zu Lande viele ernsthaft einbilden, man würde dem islamischen Fundamentalismus entgegen treten, indem man harmlosen Lehrerinnen das Kopftuch verbietet, ist in Villen und Zelten von Algier bis Rabat vermutlich bereits zum Running Gag mutiert.

Nachtrag:
normale ordentliche Polizeiarbeit hat zur Aufklärung der Attentate vom 11. März geführt, keine Militäraktion oder eine Besetzung des Inlands durch die Armee, schreibt Ralf zu Recht. Es gibt sie durchaus, die richtige Antwort auf den Terror. Im Weißen Haus kennt man sie nur nicht.
Weiterlesen →

Der Hund, der zu viel wusste

Irakische Untergrundkämpfer haben nach Angaben des britischen Militärs einen Anschlag auf einen Hund verübt: Der Spürhund Blaze sollte demnach ausgeschaltet werden, weil er so viele Waffen fand, berichtet die Sun heute. Nach dem Bericht fuhren die „Auftragskiller“ in der südirakischen Stadt Basra mit einem Wagen auf den Spaniel zu und überfuhren ihn, obwohl er einen fluoreszierenden Gurt trug und dadurch besonders gut sichtbar war. Das Tier kam mit ein paar Kratzern davon.
Weiterlesen →

Verpackungskünstler

Im Fernsehen spricht ein Politiker von der Absenkung der Arbeitslosenhilfe auf Sozialhilfe-Niveau und nennt das Gleichstellung. Das klingt ein bisschen wie Gleichberechtigung. Und wer kann dazu schon Nein sagen.
Übrigens: Umbau des Sozialstaates wäre fast mal Unwort des Jahres geworden – 1996, unter Kohl. Den ersten Platz machte damals dann aber doch die Rentnerschwemme.
Weiterlesen →

Osamas to-do-Liste

Die Spanier haben ihrer Regierung den plumpen Versuch, die verheerenden Bombenanschläge wahltaktisch auszunutzen, um die Ohren gehauen. Da konnte der (bisherige) Innenminister noch so oft ETA, ETA rufen – eine Mehrheit des Wahlvolks sah sich offenbar nach dem 11. März in ihrer Ablehnung des Irakkriegs auf das Furchtbarste bestätigt und wählte die Regierung, die das Land erst in den Waffengang zog und dann die schrecklichen Folgen nicht wahr haben wollte, ab.
Die Einschläge kommen immer näher. Das war mein erster Gedanke am vergangenen Donnerstag. Trotz Anti-Kriegs-Kurs unserer (Noch-)Regierung: Allzu sicher dürfen wir uns in Deutschland wohl nicht fühlen. Schon melden sich Terrorismusexperten wie Rolf Tophoven: „Wir sind derzeit nicht Ziel Nummer 1, aber wegen des Bundeswehr-Engagements in Afghanistan und am Horn von Afrika sicher im Visier der Islamisten.“ Er rechne damit, dass die Terroristen nun die Verbündeten der USA „abarbeiten“.
Spaniens Wahlsieger Zapatero kündigt an, die Soldaten in Irak noch bis zum Sommer zurückzuholen. Schön für die Heimkehrenden, aber mal abgesehen davon, dass die Spanier in Irak nicht zu Ende führen, was sie nun mal angefangen haben: Kann das wirklich die Antwort sein auf Terror, der Hunderte Unschuldige massakriert? Müssen sich westliche Demokratien künftig Sicherheit und Unversehrtheit ihrer Bevölkerung durch Wohlverhalten oder zumindest Neutralität gegenüber Terroristen erkaufen?
Weiterlesen →

Gestandene Männer

Es stimmt: Ich gäb was drum, den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten spätestens nach der kommenden Wahl zurück im Kuhstall seiner Ranch in Texas zu wissen. Der aktuellen Kampagne der Demokraten kann ich dennoch nichts abgewinnen: Im Vorwahlkampf für die Präsidentschaftskandidatur wird jetzt ausgerechnet Bushs Drückebergerei vor dem Militärdienst gegen ihn ins Feld geführt.
Ich habe noch nie verstanden, dass eine Brust voller militärischer Orden jemanden besonders geeignet macht, eine Nation zu führen. Und ebenso wenig will mir in den Kopf, dass jemand, der dem öden Strammstehen nichts abgewinnen kann und stattdessen lieber blau macht, sich automatisch für das Amt des Präsidenten disqualifiziert.
Nun mag ja Hintergrund der Kampagne sein, Bushs Faible für die Feldherren-Pose als das zu enttarnen, was es ist: reine Show. Trotzdem: Wenn die Liste der Dinge, die für das wichtigste Amt dieses Planeten qualifizieren, statt dem Willen zum Töten zum Beispiel die Fähigkeit zum Windelwechseln enthielte, wäre mir wohler.
Bushmesser: Spiegel online misst Bushs Chancen für die Wiederwahl.
Weiterlesen →

Am Katzentisch

Die Splitting-Regelung zur gemeinsamen Veranlagung der Einkommensteuer gilt nicht bei homosexuellen Paaren. Das entschied das Finanzgericht des Saarlands.
Passt schon. Wir müssen ja auch Erbschaftssteuer zahlen, als ob wir uns nicht kennen würden. Aber bei der Unterhaltspflicht, da dürfen wir alle gleich sein.
Weiterlesen →