So ist das Leben

Vor einigen Tagen musste ich an einen Ort zurückkehren, an dem ich dreizehneinhalb Jahre nicht war: Ein Krankenbesuch in einer Klinik in Wiesbaden, eben jener Klinik, in der ich damals monatelang ein- und ausging, in der ich von einer tödlichen Diagnose erfuhr, in der ich verzweifelt den Neurochirurgen um eine Chance für meine Mutter anbettelte. Und die ich am Ende ohne Hoffnung verlassen musste, bleischwer beladen mit den Fakten aus einem letzten, endgültigen Gespräch.

Nun stehe ich also wieder vor dieser Tür – überrascht und überrumpelt, denn ich hätte bis zu dieser Sekunde nicht gedacht, dass mir dieser Gang nach all der Zeit so schwerfallen würde. Ich hole tief Luft, spüre eine helfende Hand und schaffe es irgendwie, nicht schreiend davonzulaufen. Der Gang durchs Foyer fällt mir schwer, mit einem Kloß im Hals und wie ferngelenkt steuere ich die Aufzüge an – alles noch am alten Platz. Auf der Station, einer anderen als damals, fällt die Anspannung schlagartig ab. Denn diesmal ist alles ist gut, die Ärzte konnten helfen, die Operation kam rechtzeitig.

Im Grunde meint es das Leben gut mit mir – auch (und gerade) dann, wenn es mich daran erinnert, wie zerbrechlich es ist.

Das Leistungsschutzrecht verwirrt selbst seine Befürworter

Es kam, wie es kommen musste: Eine schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag löste heute ihr Wahlversprechen an die mächtigsten Medienkonzerne des Landes ein und verabschiedete ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Dass im Axel-Springer-Verlag heute die Sektkorken knallen, ist dennoch unwahrscheinlich. Denn das, was das Parlament da mit 293 Ja- zu 243 Nein-Stimmen (und bei drei Enthaltungen) passieren ließ, wird den Presseverlagen die erhofften zusätzlichen Einnahmen nicht bescheren. Auf die dürfen sich stattdessen die Abmahnanwälte des Landes freuen. Google, den ursprünglichen Adressaten des Gesetzes, wird es nicht kratzen. Seitdem wenige Tage vor der Verabschiedung ein entscheidender Halbsatz in den Gesetzestext geriet, der das Zitieren von „einzelnen Wörtern und kleinsten Textausschnitten“ ausdrücklich erlaubt, kann sich der Konzern zurücklehnen. Oder doch nicht? Weiterlesen →

Abschied

Im Newsroom ist es still geworden. Wir haben einen jungen Kollegen und Freund verloren, der wie kaum ein anderer an die Zukunft dieser Zeitung und noch mehr an die Zukunft des Journalismus geglaubt hat. Geradezu ansteckend war dieser Optimismus. Nun sitzen wir da, starren auf einen unbesetzten Schreibtisch und warten immer noch, dass er gleich zur Tür reinkommt.

Abschied von Felix Helbig

Alt werden …

Diese Woche im Literaturkalender: Caroline von Wolzogen, Autorin und Schwägerin Friedrich Schillers

Diese Woche im Literaturkalender: Caroline von Wolzogen, Autorin und Schwägerin Friedrich Schillers, über das Alter

… ist nichts für Sissis. Der Satz fällt in dem Kinofilm „Quartett“, wo er Bette Davis zugeschrieben wird. Hierzulande kennt man ihn in der Version „Alt werden ist nichts für Feiglinge“. Blacky Fuchsberger hatte seine Autobiografie so überschrieben und sich dabei, so sagt er selbst, eines Zitats von Mae West bedient. Wo auch immer sein Ursprung liegt: Der Satz ist so universell und wahr, dass er wohl von jedem Menschen auf diesem Planeten stammen könnte, der in ein fortgeschrittenes Stadium seines irdischen Daseins getreten ist. Also auch von mir. ;) Weiterlesen →